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10.12.2017

Adentsfeier in der Lukaskirche Hannover um 14:30

weitere Informationen

Adventsfeiern in den hinterpommerschen Gemeinden:

 Stolp: 03.12.2017 (1. Advent)

 Köslin: 06.12.2017

 Stettin:

15.10.2017:

Eröffnung der Reformationsausstellung in Stettin (Schloss)

 

Allerlei Aufregung vor dem Seminar und Freude beim Seminar des Pommernkonvents: „Brücken in die Vergangenheit – Perspektiven in die Zukunft“

 

Jeder, der schon einmal ein Seminar vorbereitet hat, weiß, was alles schiefgehen kann, doch diesmal stand es zunächst unter einem ganz schlimmen Stern, wobei mein einziger Trost war, dass Jens Rüdiger von der Ostseeakademie der Fels in der Brandung blieb. Weil das Innenministerium von Bonn nach Berlin umzog und neue Mitarbeiter für die Bewilligung von Zuschüssen zuständig waren, dauerte es nicht nur bei uns bis zur letzten Minute, bis die Zuschüsse bewilligt waren und dementsprechend die Einladung gedruckt und verschickt werden konnten. Dann sagten etliche Referenten in letzter Minute ab. Ein anderes verständigungspolitisches Seminar mit polnischen Jugendlichen fand ausgerechnet zur gleichen Zeit ebenfalls in Schleswig-Holstein statt.

 

TagungsteilnehmerTagungsteilnehmerEin weiteres Seminar tagte noch bis zu Beginn unseres Seminars im Pommernzentrum, war auch während der Vorstandssitzung und der Mitgliederversammlung noch im Hause, also mussten die dazu angereisten Leute in den Grünen Jäger ausquartiert werden und dann umziehen. Die Mitgliederversammlung fand mit gut 30 Leuten im großen Pommernsaal statt. Das sind wenig Teilnehmer, aber im Vergleich zu anderen Hilfskomitees mit sehr viel mehr Mitgliedern ein erfreulich hoher Prozentsatz. Schließlich streikte die Bahn noch zweimal in jenen Tagen, das betraf die frühzeitig An- und Abreisenden in besonderer Weise. Etliche blieben dann noch eine Nacht länger im Ernst-Moritz-Arndt-Haus. Und der Stolper Busfahrer hielt es nicht für nötig, bis zum Ende de Tagung zu bleiben, die meisten der Hinterpommern verpassten dadurch die Bootsfahrt und einige wurden Sonntag Abend einfach auf dem Kösliner Bahnhof abgesetzt …

 

Am ersten Abend referierte Mechthild Scheller über die Kriegsenkel und deren Unfähigkeit zur vertrauen. Die Kriegskinder sterben aus. Ihre Nachkommen, die heute 40-50-Jährigen, übernehmen das Land. Höchste Zeit, dass beide Generationen über Erfahrungen von Not, Tod und Hilflosigkeit ins Gespräch kommen. Erstmals gehören zum Vorstand des Pommernkonvents mehr Kriegsenkel als Kriegskinder.

 

Pastor Wojciech Froehlich aus Stolp berichtete von den Problemen in der doppelten Diaspora, aber auch von kleinen Erfolgen bei der Anerkennung: Die Kreuzkirche gilt als erhaltenswertes Gebäude und für die Renovierung zahlt die Stadt einen kleinen Zuschuss. Dies Jahr konnte er nicht nur wieder zwei Kinder einsegnen, sondern auch erleben, dass ein Gemeindekind als Pastor ordiniert wurde. Das gibt ihm Hoffnung bei der starken Überalterung insbesondere der deutschsprachigen Gemeindeglieder, die er auch mit Hausgottesdiensten und Besuchen versorgt.

 

Dr. Rita Scheller erzählte von ihrer Exkursion mit dem Bonhoeffer-Verein zu den Stätten in Hinterpommern, wo an ihn erinnert wird. Sie stellte dar, wie Bonhoeffer zu einer Brücke in die Vergangenheit, und auch zu einer Brücke zwischen den Nationen und Religionen geworden ist. Ausführlich kann man das im gerade herausgekommenen Pommerschen Heimatbuch 2015 nachlesen, zu bestellen in der Ostseeakademie.

 

Sonntag Morgen vor dem Gottesdienst - Blick auf die VersöhnungskircheSonntag Morgen vor dem Gottesdienst - Blick auf die VersöhnungskirchePeter Jeske aus Bublitz berichtete vom deutschen Schulwesen im polnisch gewordenen Pommern. Er war Schüler, seine Mutter Hertha Jeske war Lehrerin. Diese einfachen Schulen ermöglichten es den jungen Spätaussiedlern, bei der Familienzusammenführung 1957/58 in Deutschland schneller Fuß zu fassen. Wer in Pommern blieb, ist heute auch schon im Rentenalter, gehört inzwischen zu den Stützen in den evangelischen Gemeinden und den deutschen Vereinen. Benedikt Reschke, der die deutschen Schulen um Bütow herum aus eigener Anschauung kennt, bereitet ein Buch darüber vor. Heute ist er Vorsitzender des deutschen Vereins in Gdingen und organisiert jedes Jahr Gedenkfeiern zum Untergang der Gustloff.

 

Adam Malinski aus Oborniki bei Posen brachte eine Deutsch lernende interessierte Gruppe seiner Schüler mit. Er verdient ein besonderes Lob: Weil für die älteren deutschen Teilnehmer die Simultanübersetzung mit Kopfhörern schwer zu verstehen war, trat er bescheiden zurück und ließ Pastor Brauer aus Lübeck über die Entwicklung der Kriegsgräber-Friedhöfe im Posenschen von 1914-2014 berichten. Jahrzehntelang wurden die Gräber der deutschen Soldaten verschwiegen, aber auch die der Russen neben ihnen. Der Bericht zeigt, wie sehr es auf die Initiative von Einzelnen ankommt.

 

Zbygniew Kullas ist eigentlich Spätaussiedler aus der Bütower Gegend, aber seit einigen Jahren im Vorstand der Dokumentationsstätte Tidofeld bei Norden. Man kann sie nicht direkt mit den Heimatstuben vergleichen, weil es immer auch um den Aspekt der Integration geht. Für Leute, die schon einen anderen Vortrag über Tidofeld gehört und das Museum selber besucht hatten, war der Vortrag eine besondere Freude, sowohl bei der Auswahl der Bilder als bei deren Interpretation.

 

Abendliches Singen im KaminzimmerAbendliches Singen im KaminzimmerBis zur Wende agierte der Pommernkonvent in Hinterpommern stets in einer gewissen Grauzone, während Pastor Dr. Ehricht als offizieller Kirchenvertreter aus einem Bruderland ganz andere Dinge tun - aber auch nicht tun - durfte. Obwohl die Pommersche Evangelische Kirche selber arm war, hat sie mancherlei Hilfe geleistet wie beim Aufbau des Kinderkrankenhauses in Warschau oder der Renovierung der Neustettiner Kapelle. Die Pastoren aus der „Landeskirche Greifswald“ wie sie offiziell hieß, weil der Ausdruck „Pommern“ zu DDR-Zeiten Anstoß erregte, durfte auch schon predigen, als die westlichen Pastoren bestenfalls Grußworte sagen durften.

 

Last not least: Die Damen Adalhild Karp, Sigrid Nolte und Ingeborg Pfaffenbach entlasteten den alten Vorstand und die Tagungsleitung dadurch, dass sie die Abende im Kaminzimmer mit Singen und Geschichten vorlesen gestalteten. Es sieht also so aus, dass der Pommernkonvent vorläufig weiterleben wird und Sie dann in der Heimatkirche noch öfter von seiner Tätigkeit lesen können.

 

Rita Scheller