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10.12.2017

Adentsfeier in der Lukaskirche Hannover um 14:30

weitere Informationen

Adventsfeiern in den hinterpommerschen Gemeinden:

 Stolp: 03.12.2017 (1. Advent)

 Köslin: 06.12.2017

 Stettin:

15.10.2017:

Eröffnung der Reformationsausstellung in Stettin (Schloss)

 

Du siehst mich“ (1. Mose, 16, 13):

Mit dem Pommernkonvent auf dem Kirchentag in Berlin

Vom 24. bis28. Mai 2017 vertrat ich zusammen mit meiner Frau Heike Helmig-Köhler unsere „Gemeinschaft evangelischer Pommern e.V.“ auf dem diesjährigen Kirchentag – nach Hamburg und Stuttgart zum drittenmal gemeinsam, nachdem ich in Dresden, 2011, zuerst alleine unser Hilfskomitee als Mitwirkender vertreten hatte.

 

Der nächste Ev. Kirchentag soll vom 19.-23.Juni 2019 in Dortmund stattfinden. Dann wird es siebzig Jahre her sein, seit 1949 (28.07.-01.08.) die, als 1. Deutscher Evangelischer Kirchentag geltende, Deutsche Evangelische Woche in Hannover stattfand, bis 1954 nachfolgend in nur einjährigem Abstand.

 

Das alttestamentliche Leitwort aus 1. Mose, als Überschrift über dem Kirchentag, greift zugleich aktuelle gesellschaftliche Themen auf.

Im Konflikt mit Abrahams Frau Sarah flieht ihre ägyptische Magd Hagar voller Furcht in die Wüste. In ihrer hoffnungslosen Lage richtet der Engel des Herrn sie auf und bewegt sie zur Rückkehr. Hagar sagt: „Du bist ein Gott, der mich sieht.“

Der Gott des Alten und Neuen Testaments ist kein fernes und unnahbares Wesen, sondern er wendet sich dem Menschen zu und gibt sich zu erkennen. Wer von Gott gesehen und gefunden wird, wie Hagar, fühlt sich wertvoll und geachtet, trotz Demütigungen. Auch im Neuen Testament und im Koran wird die Geschichte von Hagar aufgegriffen und hat Aussagewert auch über den biblischen Kontext hinaus.

 

An drei verschiedenen Orten fanden am Mittwoch die Eröffnungsgottesdienste statt. Wir nahmen teil auf dem Platz der Republik, gegenüber dem Reichstagsgebäude - die beiden anderen Orte waren am Brandenburger Tor und auf dem Gendarmenmarkt.

 

Auf dem Dach eines hohen seitlichen Gebäudes wachten drei Scharfschützen. Die Sicherheitskontrollen glichen denen, wie man sie längst von den Flughäfen her kennt. Nach den Anschlägen auf dem Breitscheitplatz und in Manchester trugen diese Maßnahmen auf jeden Fall zur Beruhigung bei, und es ging dann ja auch alles gut.

 

Im Anschluss fand der „Abend der Begegnung“ statt.

Dieses Straßenfest, auf dem sich die gastgebende Region den Kirchentags-Gästen präsentiert, fand traditionsgemäß am ersten Tag des 36. Dt. Ev. Kirchentages statt. Das Veranstaltungsgebiet reichte vom Gendarmenmarkt bis zum Reichstag und vom Tiergarten bis zum Bahnhof Friedrichstraße. Über 300 teilnehmende Gruppen an beinahe 300 Ständen und zehn Bühnen unterhielten die vermutlich 200.000 Gäste mit Musik und Mitmachaktionen. Die gastgebende Landeskirche Berlin-Brandenburg-oberschlesische Lausitz bot mit rund 6.000 ehrenamtlich Mitwirkenden einen großen Teil des Programms.

Das Kirchentags-Motto „Du siehst mich“ wurde dabei zwischenmenschlich umgesetzt. In zahlreichen „Inseln der Begegnung“ konnten Menschen durch vorbereitete Fragen miteinander ins Gespräch kommen und dabei auch Spielkarten mit Emojis verdienen. Diese Spielkarten, welche charmant verschiedene Emotionen ausdrückten, konnten gesammelt oder getauscht und als weiterer Impuls genutzt werden, um der Fantasie freien Lauf zu lassen.

 

Das Besondere an diesem Kirchentag war der Brückenschlag zu Wittenberg, wo der Abschlussgottesdienst stattfand, und auch zu anderen Orten der Reformation (z.B. Erfurt, Magdeburg und Eisleben), die ebenfalls Veranstaltungen anboten für diesen Reformationskirchentag „auf dem Weg“.

Am Freitag um 12.00 Uhr fand an allen Orten auf dem Kirchentag eine Schweigeminute für die über 10.000 Flüchtlinge statt, die auf ihrer Flucht vor allem auf dem Mittelmeer ums Leben gekommen waren.

 

Das Programmheft umfasste 576 Seiten: Ein umfassendes Panorama geistig-spiritueller Ideen und Reflektionen zu Problemen und Lösungsaufgaben in unserer reichlich konfliktbelasteten Zeit.

 

Einen Ausschnitt bot allein schon der „Markt der Möglichkeiten“ – mit seinen Hauptthemenbereichen „Theologie und Spiritualität“, „Kirche und Gemeinde“, „Lebensführung und Zusammenleben“, „Gesellschaft und Bildung“, „Globale Herausforderungen“ und „Frieden, Nachhaltigkeit, Wirtschaft“.

Dem Themenbereich „Globale Herausforderungen“ war auch unser „Konvent der ehemaligen evangelischen Ostkirchen e.V.“ zugeordnet, wie ebenfalls etwa auch das Deutsch-Polnische und das Deutsch-Französische Jugendwerk, die Deutsch-Israelische Gesellschaft oder die Kreisau-Initiative e.V. Berlin und viele weitere Gruppen.

 

Vom 25. bis 27. Mai 2017 waren wir also, in den Berliner Messehallen am Funkturm, für den Pommernkonvent (d.h. die „Gemeinschaft evangelischer Pommern e.V.“) im Einsatz, gemeinschaftlich mit Vertreterinnen und Vertretern mehrerer Hilfskomitees des „Konventes der ehem. ev. Ostkirchen e.V.“. Das waren diesmal das Hiko (Hilfskomitee) der Ev.-Luth. Kirche aus Bessarabien e.V., der Deutsch-Baltische Kirchliche Dienst e.V., das Hiko der Galiziendeutschen im Diakon. Werk der EKD e.V., die Gemeinschaft ev. Pommern e.V., Gemeinschaft ev. Posener e.V. sowie die Gemeinschaft ev. Schlesier e.V., das Hiko der Siebenbürger Sachsen und ev. Banater Schwaben, die Gemeinschaft ev. Ostpreußen e.V. (an einem gesonderten Stand nebenan) und die Joh.-Mathesius-Gesellschaft/ Ev. Sudeten- deutscher e.V..

 

Diese Vielfalt einzelner Mitglieder des Ostkonvents steht für die über sechzigjährige ehrenamtliche Betreuung und Unterstützung der deutschen reformatorisch geprägten Regionen in Mittel- und Osteuropa – Initiativen, die heute in besonderer Weise in versöhnender Zusammenarbeit im jeweiligen nationalen Zusammenhang im Einsatz sind, wie ja auch der Pommernkonvent, der harmonisch mit den polnischen ev. Gemeinden (A.B.) Hinterpommerns in Stettin (Szczecin), Köslin (Koszalin) und Stolp (Slupsk) zusammenwirkt.

 

Der Stand des Ostkonvents war in diesem Jahr doppelt so groß wie bisher und ein guter Blickfang. Die Rückwand zeigte zwei große Wandkarten, welche Jahrhunderte alte deutsche evangelischer Siedlungsgebiete zeigten, geprägt von evangelischer kirchlicher Kultur, und regten so manche Besucher auch zu familiengeschichtlicher Spurensuche an. Dies bot reichlichen Anlass zu Fragen und Gesprächen nicht nur mit älteren Besuchern, welche dort angeregt ihre Herkunftsorte ausfindig zu machen suchten, sondern nicht weniger auch für Jüngere, die hier familiäre Zusammenhänge neu entdeckten oder vertieften.

Hauptsache war für uns, „vor Ort“ zu sein und für allerlei Auskunftswünsche zur Verfügung zu stehen. Mitteilungsblätter und Flyer der einzelnen Hilfskomitees (u.a. das neu gestaltete Faltblatt des Pommernkonvents) standen reichlich zur Verfügung und wurden gerne und häufig mitgenommen. So kann sicher davon ausgegangen werden, dass manches

 

Wissenswerte über das kirchliche Erbe und die Gegenwart reformatorisch geprägten Glaubenslebens im heutigen Mittel- und Osteuropa bewusst gemacht wurde und persönlich nachwirken dürfte.

Über dieses Info-Material lässt sich dann auch sehr leicht ein aktueller direkter Kontakt zu dem jeweiligen Hilfekomitee und seinen Vorstandsmitgliedern sowie zu der entsprechenden Homepage im Internet herstellen. Auf der Homepage des Pommernkonvents findet man zum Beispiel auch die Orte und Zeiten von regelmäßigen deutschsprachigen Gottesdiensten in Hinterpommern.

 

2011 vertrat ich in Dresden den Pommernkonvent zum ersten auf dem „Markt der Möglichkeiten“. Diese anregende und bereichernde Erfahrung verlockte zum Weitermachen, und so war ich auf dem nächsten Kirchentag, in Hamburg, erneut dabei – diesmal zusammen mit meiner Frau, die sich gleichfalls von diesem inspirierenden Engagement angezogen fühlte und mich dabei tatkräftig unterstützte. Nach Stuttgart, 2015, war dies nun unser dritter gemeinsamer Einsatz für den Pommernkonvent – mit meiner Frau als neuem Vorstandsmitglied seit 2016.

 

Die Hilfskomitees des Ostkonvents in ihrer Gesamtheit treffen sich seit jeher auf den jährlichen Frühjahrstagungen im Kirchenamt der EKD in Hannover (deren jüngstes Thema das 500jährige Reformationsjubiläum war), welche dem gegenseitigen Erfahrungsaustausch und Planen angesichts der gemeinsamen Aufgaben dienen.

 

Ein noch umfassenderer Rahmen gemeinsamer Aktivitäten, und weiterer netzwerkartiger Vertiefung des Ideenaustausches, ist die Mitwirkung der genannten Hilfskomitees im Rahmen der EKMOE (Evangelische Konferenz für Mittel- und Osteuropa), in Zusammenarbeit mit den Diakonischen Werken der verschiedenen Landeskirchen.

 

Die Konferenz dienst der gegenseitigen Information, Begleitung und Weiterentwicklung der Arbeit in Mittel-, Ost- und Südosteuropa, dem Kaukasus und Zentralasien (infolge ‚Mittel- und Osteuropa‘), sowie der Partnerschaftsarbeit mit den Kirchen vor Ort“, und dies „wesensmäßig in einem ökumenischen Kontext“. (Quelle: Orientierungsrahmen für die Arbeit der EKMOE vom 25./26. April 2007, zuletzt aktualisiert am 3. Mai 2016)

 

Seit ich an einem Evangelischen Kirchentag mitwirke, habe ich die Erfahrung gemacht, wie sehr der gemeinsame „Einsatz vor Ort“, am Stand des Ostkonvents auf dem „Markt der Möglichkeiten“, dem gegenseitigen sachlichen ebenso wie gerade auch dem persönlichen Austausch und Beistand dienlich ist bei der Verfolgung des gemeinsamen Auftrags.

 

Es war diesmal ein besonderes Ereignis, einen Evangelischen Kirchentrag in der so gewichtigen Metropole Berlin zu erleben. Selbst im großen Hamburg nahm man die Besucher mit ihren Kirchtags-Schals noch recht zahlreich in verschiedenen Stadtbezirken war, doch in Berlin konzentrierte sich das, abgesehen von den Großtreffen der Eröffnungsgottesdienste, im Wesentlichen auf den zentralen Einzugsbereich des Standorts „Messehallen“. Umso reizvoller, und dann spontan kontaktfördernd, war es, Kirchentags-Besuchern doch gelegentlich in der S-Bahn, auf der Fahrt quer durch die Metropole, zu begegnen. Meine Frau und ich waren bei wunderbaren Gastgebern im äußersten Südosten Berlins untergebracht gewesen und benötigten meist bis zu anderthalb Stunden, um zu unserem Einsatzort zu gelangen – Gelegenheit für manche Beobachtungen und auch Kontakte.

Helmut Köhler (Münster)